Wolkenhülle – Ernährung

Lebensmittelallergie bei Neurodermitis: was bei Levi festgestellt wurde

Im Leitartikel zur Ernährung habe ich beschrieben, wie schwierig es ist, beim Essen den Überblick zu behalten, wenn man nur weiß, worauf das Kind reagiert – aber nicht, was alles ausgeschlossen ist. In diesem Artikel erzähle ich den Teil, der bei uns wirklich abgeklärt wurde: wie der Allergietest ablief, was dabei herauskam, welche Empfehlungen wir bekommen haben und was das im Alltag bedeutet. Und ich erzähle ehrlich, was die Diagnose verändert hat – und was nicht.

Kurzantwort

Bei unserem Sohn Levi wurden per Bluttest zwei Lebensmittelallergien festgestellt – gegen Hühnerei und gegen Kuhmilcheiweiß. Der Test war für ihn unspektakulär, das Ergebnis kam nach vier Wochen, die Handlungsempfehlung war eindeutig: konsequent weglassen. Was die Diagnose gebracht hat, ist vor allem Klarheit – für uns und für alle, die Levi betreuen. Was sie nicht gebracht hat: eine geheilte Haut. Das Weglassen von Lebensmitteln ist ein Standbein der Therapie, kein Allheilmittel.

Aquarell-Illustration: Lupe über einem Ei und einem Glas Milch – Symbol für die Abklärung einer Lebensmittelallergie beim Kind

Der Weg zum Test

Dass wir irgendwann einen Allergietest machen würden, war früh klar, und wir haben ihn gemeinsam mit unserem Kinderarzt angestoßen. Sofort ging das allerdings nicht. Uns wurde erklärt, dass ein Allergietest bei Babys erst ab einem bestimmten Alter überhaupt aussagekräftig ist. Also haben wir gewartet, bis Levi so weit war.

Der Rat in der Zwischenzeit lautete, ein Essenstagebuch zu führen. In unserem Fall war das nur bedingt hilfreich, weil ich Levi zu dieser Zeit noch größtenteils gestillt habe – was er aß, war also vor allem das, was ich aß. Meine eigene strenge Diät in dieser Phase habe ich im Leitartikel beschrieben; ob die Besserung seiner Haut damit zusammenhing, kann ich bis heute nicht sicher sagen. Etwa zwei Monate habe ich es wirklich streng gehandhabt, danach gelockert.

Wie der Test ablief

Bei Levi war es ein Bluttest. Was mich vorher verunsichert hat und was Eltern vielleicht beruhigt, ist, dass bei Babys das Blut häufig am Kopf abgenommen wird, weil die Adern an Armen und Beinen noch zu fein sind. Das klingt dramatischer, als es ist. Levi bekam vorher eine Betäubungscreme, und weil die Abnahme am Kopf stattfand, hat er sie weder gesehen noch wirklich gespürt. Beim Kinderarzt war das Ganze erstaunlich unspektakulär.

Aquarell-Illustration: Tröstendes Pflaster – Symbol für die Blutabnahme beim Allergietest im Babyalter

Bis das Ergebnis kam, hat es dann etwa vier Wochen gedauert.

Das Ergebnis: zwei Allergien

Festgestellt wurden zwei Lebensmittelallergien – eine gegen Hühnerei und eine gegen Kuhmilcheiweiß, wobei die Werte beim Hühnerei höher lagen. Ein tröstlicher Hinweis der Ärztin war, dass aus beiden Kinder herauswachsen können – anders als etwa aus einer Nussallergie. Die hat Levi glücklicherweise nicht.

Was wir allerdings nur als Befund bekommen haben, ist die Liste dessen, worauf er reagiert. Was alles getestet wurde und unauffällig war, wissen wir nicht – bis auf die Nüsse, die uns ausdrücklich genannt wurden. Das ist eine Lücke, mit der wir bis heute leben, und ich komme unten noch darauf zurück.

Die Empfehlungen – und wo sie schwammig blieben

Die erste Handlungsempfehlung war eindeutig. Wir sollten Ei und Milch konsequent weglassen. Da ich Levi zu diesem Zeitpunkt noch viel gestillt habe, hat die Ärztin mir auch geraten, beides selbst wegzulassen.

Dazu kamen zwei Hinweise, die ich wichtig finde, weil sie nicht jeder kennt:

Erstens sind Ziegen- oder Schafsmilch keine Alternative bei einer Kuhmilcheiweiß-Allergie. Das Eiweiß ist so ähnlich, dass es meistens trotzdem zu Reaktionen kommt – die Ärztin hat uns ausdrücklich davon abgeraten, darauf umzuschwenken.

Zweitens sollte bei Milchverzicht der Kalziumbedarf anderweitig gedeckt werden. Weil Levi zu dieser Zeit noch Muttermilch bekam, hatte die Ärztin zunächst eine hydrolysierte Spezialnahrung ins Spiel gebracht – ein Milchpulver, das nicht auf Kuhmilcheiweiß basiert. Auf die Idee waren wir vorher schon selbst gekommen und hatten es ausprobiert. Zwei Dinge dazu: Diese Spezialnahrung ist sehr, sehr teuer. Und Levi hat einmal probiert, das Ganze im hohen Bogen ausgespuckt und uns angeschaut, als wollte er sagen: Was wollt ihr mir denn da verkaufen? Eine schöne Idee, die bei unserem Kind schlicht nicht funktioniert hat.

Kinderhand greift nach einem Glas Pflanzendrink – Milchalternative bei Kuhmilcheiweißallergie

Als Alternative gibt es pflanzliche Milchalternativen mit zugesetztem Kalzium; wir haben Levi zum Beispiel Kokos- oder Sojamilch angeboten. Auch hier die ehrliche Bilanz: probiert, nicht gemocht – als echte Nahrungsalternative hat er sie nie angenommen. Gleichzeitig hieß es, das sei ohnehin kein grundsätzlicher Ersatz für Milch, und in Foren liest man immer wieder, dass diese Produkte stark verarbeitet sind – was wiederum nicht ideal ist.

Und genau da wurde es für mich schwammig. Es gab Hinweise, aber keine klare Linie, was man daraus im Alltag macht – und das Kind hat bei alledem auch noch ein Wörtchen mitzureden. Ich glaube, an dieser Stelle ist man gut beraten, sich selbst durchzuprobieren – vorsichtig, beobachtend, ohne die Erwartung, dass irgendjemand einem den fertigen Plan liefert.

Vorsichtig wieder antesten – die Empfehlung unserer Ärztin

Bei einer späteren Untersuchung kam ein Thema auf, das mich überrascht hat. Unsere Ärztin hat uns das behutsame Wiederantesten empfohlen. Wichtig vorweg, weil es hier um echte Allergien geht: Das ist die Empfehlung unserer Ärztin für Levis konkreten Fall – nichts, was man auf eigene Faust machen sollte.

Die Ärztin hat zuerst gefragt, wie Levis Reaktionen ausgefallen sind, wenn er die Lebensmittel doch einmal erwischt hat. Ausschlag, konnte ich sagen. Und sie hat gezielt nachgefragt, ob es je zu Atemnot gekommen ist – zum Glück nie. Erst auf dieser Grundlage kam die Empfehlung, dass man bei moderaten Reaktionen im Abstand von einem halben bis dreiviertel Jahr ganz vorsichtig antesten kann. Nicht rohes Ei oder ein Glas Milch – sondern zum Beispiel etwas verbackenes Ei oder ein, zwei Bissen Brot mit Frischkäse. Kein ganzes Brot, ein Kosten. Und dann beobachten, wie die Haut reagiert.

Der Gedanke dahinter ist, dass das Immunsystem sich auf diesem Weg mit dem Lebensmittel auseinandersetzen und dazulernen kann. Wenn die Möglichkeit besteht, dass ein Kind aus der Allergie herauswächst, zeigt sich das über die Zeit. Genauso klar war die Grenze: Bei heftigen Reaktionen auf keinen Fall weitermachen, sondern den Kontakt zum Arzt suchen.

Zum systematischen Nachtesten hat sich bei uns bisher niemand geäußert. Das ist einer der Punkte, die wir beim Allergologen besprechen wollen – der Termin steht auf unserem Zettel. Wir erhoffen uns dort vor allem eine vollständigere Übersicht, was getestet wurde und was nicht, und eine Einschätzung dazu, wie es mit dem Rauswachsen aussieht.

Getestet oder nur beobachtet?

Neben den beiden diagnostizierten Allergien gibt es bei Levi Lebensmittel, auf die er sichtbar reagiert, ohne dass es dafür einen Befund gibt – vor allem Tomate, und nach unserer Beobachtung auch Zucker. Ob Tomate damals überhaupt getestet wurde, weiß ich nicht.

Erklären kann ich den Unterschied nicht, und ich bin auch keine Medizinerin. Meine eigene Deutung: Bei Zucker liegt es nahe, weil er bekanntermaßen Entzündungsprozesse im Körper fördern kann – und wenn die Haut das schwache Organ ist, reagiert eben die Haut, während jemand anderes vielleicht Bauchschmerzen bekommt. Bei der Tomate erkläre ich es mir über den hohen Histamingehalt, der für Neurodermitiker oft schwierig ist. Das muss keine echte Allergie sein.

Im Alltag behandle ich beide Kategorien unterschiedlich. Bei den diagnostizierten Allergien wird nicht experimentiert, außer in der ärztlich begleiteten Form von oben. Bei den beobachteten Auslösern taste ich mich vorsichtig heran – mit kleinen Mengen, mit Blick auf den Verlauf, und im Zweifel lassen wir es weg.

Was die Diagnose gebracht hat – und was nicht

Ganz klar gebracht hat sie Klarheit. Wir wissen, was Levi bekommen darf und was nicht. Und wir haben eine bestätigte Allergie, die wir weitergeben können – an die Kita, an Großeltern, an alle, die ihn betreuen. „Vom Arzt bestätigt, er darf das nicht“ wirkt anders als „ich vermute, dass er das nicht verträgt“. Das macht vieles einfacher.

Was die Diagnose nicht gebracht hat: eine spürbar bessere Haut. Ob das konsequente Weglassen von Ei und Milch etwas verändert hat, kann ich ehrlich nicht sagen – ich hatte beides schon in der Stillzeit gemieden, Levi selbst hat es nie bekommen, und die Besserung seiner Haut begann in einer Phase, in der ich noch viel gestillt habe. Vielleicht hängt es zusammen, vielleicht nicht. Die Neurodermitis blieb jedenfalls ein eigenes Thema.

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem ganzen Prozess ist, dass die Ernährung ein Standbein der Therapie ist. Das Weglassen von Lebensmitteln gehört dazu und ist wichtig – aber es löst nicht alle Probleme.

Fazit

Der Allergietest war für Levi weniger belastend als befürchtet, das Ergebnis hat uns Sicherheit im Alltag gegeben, und die Empfehlungen zum vorsichtigen Wiederantesten haben uns eine Perspektive eröffnet. Gleichzeitig blieb vieles unklar: keine vollständige Testliste, schwammige Hinweise zu Alternativen, kein Plan fürs Nachtesten. Wer einen Allergietest vor sich hat, darf also beides erwarten – mehr Klarheit und trotzdem offene Fragen. Und die Haut hat ihre eigene Geschichte, die vom Essen allein nicht bestimmt wird.

Aus unserer Erfahrung

Wer schreibt hier?

Ich bin Carmen. Den Weg von den ersten Verdachtsmomenten über den Allergietest bis zu den Empfehlungen unserer Ärztin haben wir mit unserem Sohn Levi selbst durchlaufen – genau davon erzählt dieser Artikel.

Wolkenhülle ist entstanden, weil wir uns am Anfang genau so einen Ort gewünscht hätten: verständlich, ehrlich und nah am Familienalltag.

→ Mehr über uns und unsere Geschichte

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel beschreibt unsere persönlichen Erfahrungen als Eltern und die Empfehlungen, die wir für unseren Sohn erhalten haben. Er ersetzt keine medizinische Beratung. Lebensmittelallergien können ernste, in Einzelfällen gefährliche Reaktionen auslösen – Diagnose, Einschätzung und jedes Wiederantesten gehören in ärztliche Hände. Bitte wendet euch an eure Kinderärztin, euren Kinderarzt oder eine allergologische Praxis.

FAQ

Häufige Fragen zum Allergietest bei Kindern

Ab wann kann man bei Babys einen Allergietest machen?

Uns wurde gesagt, dass ein Test erst ab einem bestimmten Alter aussagekräftig ist – wann genau, klärt ihr am besten mit eurer Kinderarztpraxis. Wir haben gewartet, bis Levi so weit war.

Wie läuft ein Bluttest bei einem Baby ab?

Bei Levi wurde am Kopf Blut abgenommen, weil die Adern an Armen und Beinen noch zu fein sind. Mit Betäubungscreme hat er es kaum mitbekommen. Das Ergebnis kam nach etwa vier Wochen.

Sind Ziegen- oder Schafsmilch eine Alternative bei Kuhmilcheiweiß-Allergie?

Nach Auskunft unserer Ärztin nicht – das Eiweiß ist zu ähnlich, es kommt meist trotzdem zu Reaktionen.

Darf man ein Lebensmittel mit Allergie wieder antesten?

Nur in Absprache mit dem Arzt. Bei Levi wurde uns bei moderaten Reaktionen ein vorsichtiges Antesten in größeren Abständen empfohlen – mit verbackenem Ei oder kleinen Mengen, nie roh, und nur solange die Reaktionen mild bleiben.

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