Zucker und Neurodermitis – was wir nach zwei Sommern beobachtet haben
Dieser Artikel ist anders als die anderen in diesem Themenbereich, und das sage ich gleich zu Beginn. Bei den Lebensmittelallergien unseres Sohnes haben wir Diagnosen, beim Zucker haben wir nur Beobachtungen – aus zwei Sommern, die sich in einem Punkt deutlich unterschieden. Ich schreibe hier also bewusst eine ehrliche Momentaufnahme: was wir gesehen haben, wie ich es mir erkläre und was offen bleibt. Und weil sich unser Bild noch verändern kann, werde ich diesen Artikel gegebenenfalls später mit einem datierten Nachtrag ergänzen, wenn wir hierzu mehr Erkenntnisse gesammelt haben.
Ob Zucker Neurodermitis verschlimmert, kann ich nicht beweisen – aber ich kann erzählen, was wir beobachtet haben. In dem Sommer, in dem unser Sohn zum ersten Mal regelmäßig Süßigkeiten bekam, war sein Juckreiz deutlich schlimmer als im Sommer davor. Als wir den Zucker danach stark reduzierten, beruhigte sich die Haut innerhalb weniger Tage spürbar. Das ist eine Momentaufnahme, kein Urteil – und wir beobachten weiter.
Zwei Sommer, ein Unterschied
Im ersten Sommer bekam Levi noch fast keine Süßigkeiten. Das änderte sich erst in den Monaten danach – und in diesem Sommer konnten und wollten wir ihm das Eis dann nicht mehr verwehren, vor allem nicht im Urlaub und dazu bei einer vierjährigen Schwester, die selbstverständlich auch Eis liebt. Dazu waren wir länger bei den Großeltern zu Besuch, und dort kamen die Dinge zusammen, die Großeltern eben so bereithalten: immer mal wieder seine geliebten Lentilky, hier ein Keks, da ein Stück Schokolade zwischendurch, ein süßer Kokosjoghurt, Pfannkuchen mit süßem Aufstrich. Nichts davon war für sich dramatisch. In der Summe war es dann aber doch ein bisschen viel.
Der Unterschied zeigte sich weniger dort, wo ich ihn zuerst gesucht hätte. Das Hautbild selbst war etwas schlechter als im Jahr davor – das habe ich anhand der Fotos vom letzten Sommer noch einmal ehrlich verglichen, und der Unterschied war da, aber nicht riesig. Was wirklich auffiel, war der Juckreiz. Der war in diesem Sommer, seit Levi mehr Süßes bekam, deutlich schlimmer. Und als wir nach dem Urlaub wieder zu Hause waren und den Zucker erst einmal sehr konsequent reduzierten, beruhigte sich das Ganze innerhalb weniger Tage. Nicht komplett – aber der Juckreiz ließ nach, und auch das Hautbild verbesserte sich.
Wie „reduzieren“ bei uns aussieht
Einen Süß-Ersatz nutze ich dabei bewusst erst einmal nicht. Meine Erfahrung ist, dass wenn man den Zucker einfach reduziert, verlangt der Körper nach einigen Tagen von selbst nicht mehr so sehr danach – das konnte ich bei beiden Kindern gut beobachten. Klar gab es anfangs Protest, und den muss man dann aushalten. Aber Zwischenmahlzeiten und Snacks in Form von Obst oder auch mal Salzstangen wurden nach einer überschaubaren Zeit wieder angenommen. Levi fragt ab und zu nach seinen Lentilky, aber großen Frust gibt es nicht – meistens lässt sich ihm ein anderer leckerer Snack schmackhaft machen. Das geht zum Glück noch.
Aktuell achten wir darauf, dass es zu Hause im Alltag nur ausnahmsweise etwas Süßes gibt – denn was wir eben beobachtet haben, war die Wirkung des täglichen Süßen. Bei Oma und Opa sind wir deutlich weniger streng. Dort sind wir nur tageweise, da kann man auch mal ein Auge zudrücken. Und Feste und Geburtstage sind Ausnahmen, ganz bewusst.
Meine Deutung: Zucker und Entzündung
Wie erkläre ich mir das? Ich möchte betonen, dass das meine persönliche Deutung ist und kein gesichertes Wissen über unseren Einzelfall hinaus. Zucker fördert im Körper bekanntermaßen Entzündungsprozesse – und dann erscheint es mir naheliegend, dass das schwächste Organ darauf reagiert. Bei Levi ist das die Haut.
Dass die Haut auf Zucker reagiert, kennen wir bereits von Martin, meinem Mann: Er hat mit seiner eigenen Neurodermitis das gleiche Thema. Bei ihm zeigt sich Zuckerkonsum meist recht kurzfristig auf der Haut. Zwei Menschen sind keine Studie, das weiß ich – aber es passt ins Muster, das wir sehen.
Warum wir trotzdem kein Verbot leben
Ein komplettes Zuckerverbot ist im Alltag kaum umzusetzen, so wie unsere Welt nun einmal läuft. Überall gibt es mal etwas Süßes – in der Kita, wenn ein Geburtstag gefeiert wird, auf dem Hof, wenn die Kinder im Sommer Wassereis essen und ihren Freunden eines anbieten, und eben bei Oma und Opa, die ihre Enkel gerne verwöhnen. Aber ich möchte auch gar kein striktes Verbot. Ich glaube, das führt meistens dazu, dass das Kind das Verbotene erst recht will.
Stattdessen versuche ich – ganz unabhängig von der Neurodermitis, der Zucker ist da nur ein Beispiel –, meinen Kindern einen inneren Kompass mitzugeben. Sie sollen selbst überlegen lernen, was, wovon und wie viel das Richtige für sie ist. Den Zucker gibt es nun einmal überall auf der Welt, und sie müssen lernen, was er mit einem macht und wie man maßvoll mit Dingen umgeht. Ich halte das für den besten Weg – auch weil sie nicht für immer so klein sind, dass wir alles kontrollieren können. Zu Hause sind wir also aktuell relativ streng mit dem Zucker, mit bewussten Ausnahmen bei Anlässen. Das ist unser Mittelweg.
Was wir weiter beobachten – und was ehrlicherweise offen bleibt
In den nächsten Monaten beobachten wir, wie sich der reduzierte Zucker weiter auf die Haut auswirkt. Und da will ich ehrlich sein: Es steht die kalte Jahreszeit bevor, und in der verschlechtert sich Levis Haut tendenziell ohnehin. Was dann wovon kommt, lässt sich kaum sauber trennen. Den echten Vergleich gäbe es erst im nächsten Sommer, im gleichen Zeitraum. Trotzdem machen wir so weiter und schauen hin – vielleicht lässt sich rund um Nikolaus und Weihnachten, wenn traditionell mehr Süßigkeiten im Umlauf sind, eine Veränderung beobachten. Das würde die These nicht beweisen, aber untermauern. Oder eben nicht, auch das wäre eine Antwort.
Was für uns dabei feststeht: Das Zucker-Thema ist ein Baustein von mehreren, so wie das Weglassen insgesamt ein Standbein ist und kein Allheilmittel.
Wer schreibt hier?
Ich bin Carmen. Die Zucker-Beobachtungen aus zwei Sommern mit unserem Sohn Levi habe ich hier so ehrlich wie möglich aufgeschrieben – als Momentaufnahme, die wir weiter ergänzen werden.
Wolkenhülle ist entstanden, weil wir uns am Anfang genau so einen Ort gewünscht hätten: verständlich, ehrlich und nah am Familienalltag.
→ Mehr über uns und unsere GeschichteWichtiger Hinweis
Dieser Artikel beschreibt persönliche Beobachtungen und Deutungen aus unserem Familienalltag – er ist bewusst eine Momentaufnahme und ersetzt keine medizinische Beratung. Levis Reaktionen sind insgesamt moderat; was wir bei ihm beobachten, ist keine Entwarnung und keine Vorlage für andere Kinder. Größere Änderungen an der Ernährung eures Kindes besprecht bitte mit eurer Kinderärztin oder eurem Kinderarzt.
Häufige Fragen zu Zucker und Neurodermitis
Verschlimmert Zucker Neurodermitis?
Eine belegte Antwort für alle Kinder habe ich nicht. Bei unserem Sohn haben wir beobachtet, dass ein Sommer mit deutlich mehr Süßigkeiten mit deutlich stärkerem Juckreiz einherging und eine konsequente Reduzierung die Haut innerhalb weniger Tage spürbar beruhigte. Das ist unsere Beobachtung – ob es bei eurem Kind eine Rolle spielt, zeigt nur das eigene Hinschauen, am besten begleitet durch euren Kinderarzt.
Sollte man Kindern mit Neurodermitis Zucker komplett verbieten?
Wir haben uns dagegen entschieden. Ein Verbot ist im Alltag kaum durchzuhalten und macht das Verbotene oft nur interessanter. Unser Weg ist ein strenger Alltag zu Hause mit bewussten Ausnahmen bei Anlässen – und langfristig das Ziel, dass die Kinder selbst ein Gefühl für das richtige Maß entwickeln.
Wie schnell zeigt sich eine Veränderung?
Bei uns beruhigten sich Juckreiz und Hautbild innerhalb weniger Tage nach der Reduzierung – nicht vollständig, aber deutlich. Das ist unsere Einzelbeobachtung und keine Zusage; bei Martins eigener Neurodermitis zeigt sich Zucker ebenfalls recht kurzfristig.
